Die deutsche Minderheit in Nordschleswig
Die deutsche Minderheit in Nordschleswig besteht seit der Volksabstimmung und der Grenzziehung im Jahr 1920 und umfasst heute etwa 15.000 Mitglieder im südlichsten Teil Dänemarks - in Nordschleswig.

Knivsbjergfest, Foto: Der Nordschleswiger, K. Riggelsen
Die deutsche Minderheit in Nordschleswig
Seit 1920 ist die deutsche Minderheit Teil des dänischen Staates. Heute gehören rund 15.000 Menschen zur Minderheit. Einige besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit, die meisten sind jedoch dänische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Gemeinsam ist ihnen eine deutsch-dänische Identität sowie eine starke Verwurzelung in der Region. Die deutsche Sprache und Kultur werden gepflegt, und die Minderheit versteht sich als Brückenbauer zwischen Deutsch und Dänisch im Grenzland.
Geschichte
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1920 durch eine Volksabstimmung entschieden, dass Nordschleswig Teil von Dänemark werden sollte. Der Teil der Bevölkerung, der für Deutschland gestimmt hatte, bildete in der Folge die deutsche Minderheit in Dänemark. Die Menschen blieben in ihrer Heimat, obwohl diese nun zu Dänemark gehörte, und wurden dänische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger.
Schwierige Zeiten und demokratischer Neuanfang
Viele Mitglieder der deutschen Minderheit unterstützten ab den 1930er-Jahren die Nationalsozialisten in der Hoffnung auf eine Grenzverschiebung. Die deutsche Besatzung Dänemarks belastete das Verhältnis zur dänischen Mehrheitsbevölkerung zusätzlich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte jedoch eine demokratische Neuorientierung: Die Minderheit erkannte die Grenze von 1920 an und erklärte ihre Loyalität gegenüber dem dänischen Staat.
Recht und Anerkennung
Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 bestätigten die bürgerlichen Rechte der deutschen Minderheit. Sie darf nicht diskriminiert werden und hat das Recht, Deutsch zu sprechen, eigene Institutionen und Vereine zu gründen und zu betreiben sowie ihre Kultur zu pflegen.
Heute ist die deutsche Minderheit die einzige offiziell anerkannte nationale Minderheit in Dänemark. Wichtiger als gesetzliche Regelungen ist dabei das gute Zusammenleben – geprägt von Toleranz, Respekt und aktiver Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben.
Schulen und Kindergärten
Die Kindergärten und Schulen der Minderheit spielen eine zentrale Rolle bei der Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur. Kinder lernen und spielen hier in zwei Sprachen und mit zwei Kulturen.
Die Abschlussprüfungen werden sowohl in Dänemark als auch in Deutschland anerkannt und eröffnen gute Bildungs- und Berufschancen.
Kultur, Sport und Medien
Das Gemeinschaftsleben wird durch ein vielfältiges Vereinsangebot getragen. Dazu gehören unter anderem Büchereien, Sportvereine, Ruderclubs, Jugendclubs und Kirchengemeinden.
Das Medienhaus Der Nordschleswiger berichtet täglich über das Leben im Grenzland. Das Deutsche Museum in Sonderburg vermittelt die Geschichte der Minderheit und ihre Identitätsentwicklung.
Traditionen
Die deutsche Minderheit pflegt sowohl deutsche als auch dänische Traditionen und beteiligt sich aktiv am kulturellen Leben der Grenzregion.
Ein Höhepunkt ist das Knivsbergfest im Juni – ein Fest mit Musik, Sport und Begegnungen für alle Generationen.
Der Deutsche Tag im November ist die offizielle Feier der Gemeinschaft mit Gästen aus Dänemark und Deutschland und findet stets am ersten Samstag im Monat statt.
Politik und Engagement
Die Schleswigsche Partei vertritt die Interessen der Minderheit in den vier südjütischen Kommunen Sonderburg, Apenrade, Tondern und Hadersleben.
In Kopenhagen gibt es ein Sekretariat, das die Anliegen der Minderheit gegenüber Regierung und Folketing wahrnimmt.
Die Arbeit wird finanziell von Dänemark, Deutschland und Schleswig-Holstein unterstützt. Zudem bestehen enge Kontakte zu politischen Akteurinnen und Akteuren in beiden Ländern.
Europa und Zukunft
Die Rolle der Minderheit als Brückenbauer ist weiterhin von großer Bedeutung. Sie steht für ein vielfältiges und tolerantes Europa, in dem Minderheiten respektiert und gefördert werden.
Das Grenzland gilt international als Vorbild. Regelmäßig besuchen Delegationen aus anderen Regionen das Gebiet, um sich über die Erfahrungen der Minderheitenzusammenarbeit zu informieren.
Kontakt
Bund Deutscher Nordschleswiger
Tlf. 7462 3833
E-mail: generalsekretariat@bdn.dk
Homepages:
www.bdn.dk
www.nordschleswig.dk
www.mindretal.dk